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6 Tipps zur Pflege Ihres Angehörigen nach Schlaganfall

Pflege nach Schlaganfall


Im folgenden Beitrag möchten wir ihnen die notwendigen und wichtigen Aspekte in der Pflege eines Schlaganfall-Patienten erklären:

  • Körperwahrnehmung des Betroffenen
  • Tipps bei der Körperpflege
  • Anziehtraining
  • Raumgestaltung
  • Schmerzproblematik
  • Richtiges Lagern und Positionieren

Körperwahrnehmung des Betroffenen nach Schlaganfall:

Da der Betroffene seine Körperhälfte im Moment gar nicht oder nur teilweise wahrnimmt, was von der Ausprägung und Region des Schlaganfalls im Gehirn abhängt, ist es die wichtigste Priorität ihn für diese Körperseite wieder zu sensibilisieren. Seine Wahrnehmung richtet sich aktuell nur auf die funktionierende, nicht betroffene, Körperhälfte. Die gelähmten Extremitäten sind schlaff, hängen teilnahmslos am Körper, müssen unterstützend gelagert oder positioniert werden und sind vor allem oft schmerzfrei! Sie werden vom Patient nicht mit einbezogen, er vergißt diese schlicht und beachtet sie oft gar nicht oder nur teilweise.

Auch der rehabilitative Ansatz geht nur in die Richtung der erneuten Sensibilisierung der betroffenen Körperteile. Ein Umdenkansatz im Gehirn muss angelernt und antrainiert werden!


Unterstützung bei der Körperpflege nach Schlaganfall:

Der pflegerische Standard nach Schlaganfall sieht vor, immer zuerst die betroffenen Körperpartien, vor den nicht betroffenen in die Pflege einzubeziehen. Am praktischen Beispiel der Körperpflege lassen Sie Ihren Angehörigen, unter Anreichen der Pflegeutensilien, zuerst die betroffene Seite des Gesichts waschen, dann den nicht betroffenen Bereich. Anschließend zuerst mit der gesunden, nicht gelähmten Hand, die gelähmte Hand und den gelähmten Arm waschen, eventuell können Sie Bereiche die er nicht selbständig erreicht, ergänzend waschen. Achten Sie darauf, daß der gelähmte Arm nicht frei hängt, sondern stützen Sie ihn ab, er kann zum Beispiel ins Waschbecken gelegt werden oder mit einem Kissen auf dem Schoß, erhöht gelegt sein.

Machen Sie nicht den Fehler ihm diese Tätigkeiten ganz abzunehmen, er muss lernen, diese Seite wieder zu fühlen, spüren und an sie zu denken!

Fahren Sie fort und lassen Sie ihn das betroffene Bein und den Fuß waschen. Bei der gesunden Seite des Körpers und Teilen des Körpers die er nicht erreichen kann, übernehmen Sie die Waschtätigkeit. Der Intimbereich kann im Sitzen, beispielsweise auf einem Duschstuhl, welcher unten offen ist, sitzend selbständig gewaschen werden.

Die Hautpflege mit einer Lotion oder Creme, kann in der gleichen Reihenfolge von Ihrem Angehörigen selbst erfolgen. Immer zuerst die gelähmte Seite des Körpers, anschließend die gesunde Seite.

Bei männlichen Angehörigen können Sie, ohne Hinweis und Anleitung, am Beispiel des Rasierens im Gesicht sehen, dass meist nur eine Seite des Gesichts rasiert wird, die andere Hälfte liegt außerhalb der Wahrnehmung und wird nicht rasiert. Weisen Sie ihn sachte darauf hin zuerst die betroffene Seite zu rasieren, helfen Sie gegebenenfalls nach und lassen Sie ihn anschliessend die gesunde Seite rasieren. Das Gleiche gilt beim Akt des Zähneputzens.


Anziehtraining nach Schlaganfall:

Reichen Sie Ihrem Angehörigen nach Möglichkeit die Kleidung nur an oder legen Sie diese so in seine Reichweite, dass er unter Ihrer Anleitung und mit nur geringer Hilfe, immer zuerst das betroffene Körperteil bekleidet, bei einem Oberteil zum Beispiel, zuerst den betroffenen Arm, anschließend den Kopf und danach erst den gesunden Arm. Das Gleiche beim Bekleiden des Unterkörpers. Reißverschlüsse und Knöpfe sind eine große Herausforderung, mit speziellen Einfädelhilfen (Schlaganfallprodukte) ist ein gutes Hilfsmittel erhältlich. Verlängern Sie Reißverschlüsse mit einem Bändchen, um diesen leichter bedienbar zu machen.

Strümpfe oder Socken können mit einer speziell erhältlichen Greifzange (Ergotherapie-Zange / Ergo-Greifzange) übergestreift oder hochgezogen werden. Bei den Schuhen empfiehlt es sich auf Klettverschlüsse zurück zu greifen, Schleifen zu binden ist mit einer Hand möglich, jedoch nur sehr schwer zu erlernen.

Beim Entkleiden am Abend gehen Sie genau in der umgekehrten Reihenfolge vor – immer zuerst die gesunde Seite, anschliessend die betroffene Seite. Sie beugen damit einer Verletzung durch die schlaffe Lähmung der Extremität vor, beim Hängenbleiben eines Fingers oder der ganzen Hand im Kleidungsstück beispielsweise .


Raumgestaltung für Schlaganfall Patienten:

Stellen Sie zu benutzende Gegenstände, wie Trinkglas, Uhr, Zeitschriften, Fernbedienung etc. immer auf die betroffene Seite. Weisen Sie ihren Angehörigen darauf hin, er muss den Kopf bewegen um die Gegenstände zu sehen und erlernt somit durch fortlaufendes Wiederholen die betroffene Körperhälfte wahrzunehmen, da er über diese greifen muss. Positionieren Sie das Bett so, daß er über die durch den Schlaganfall betroffene Seite das restliche Zimmer wahrnimmt. Er muss den Kopf bewegen, über die betroffene Seite hinweg sehen, auch dies dient der zu erlernenden Selbstwahrnehmung. Auch für das Aufstellen des Fernsehers gilt diese Regel, nicht auf die gesunde, sondern auf die betroffene Seite Ihres Angehörigen.

Im Badezimmer können Sie seine Pflege-Utensilien so stellen, dass er über die durch Schlaganfall betroffene Seite greifen muss.

Versuchen Sie sich in seine Position zu begeben und gehen Sie mit weiteren Möbelstücken oder Gebrauchsgegenständen des täglichen Lebens nach diesem Standard vor.


Schmerzproblematik bei Schlaganfall Patienten:

Eine schlaganfallbedingt hängende Schulter ist oft eine Pein für den Betroffenen. Er nimmt den hängenden Arm ohne kontinuierliche Hinweise nicht wahr. Die Schulter und der Arm hängen und verursachen durch das Eigengewicht einen zu großen Zug an der Schulter, was starke Schmerzen auslöst. Der betroffene Arm muss von der gesunden Hand gehalten oder im Sitzen auf dem Schoß mit einem zusätzlichen Kissen hochgelagert werden. Dies beugt dem Schulterschmerz vor!

Achten Sie unbedingt bei Ihrem Angehörigen, wenn er im Rollstuhl sitzt, auf den betroffenen Arm. Er könnte abrutschen und sich im Rad des Rollstuhls mit der Hand verfangen. Dies kann zu unnötigen Verletzungen und weiteren Schmerzen beitragen!

Sinnvoll sind Lockerungs- und Bewegungsübungen durch regelmäßige Physiotherapie. Ihr Hausarzt rezeptiert die therapeutischen Übungen, diese tragen zum Lockern der Schulter und damit zur Schmerzreduktion bei.


Richtiges Lagern und Positionieren der betroffenen Extremitäten nach Schlaganfall:

Das Standard Konzept nach Bobath, gibt die korrekte Positionierung der betroffenen Extremitäten vor. Das Konzept fördert die bewußte Körperwahrnehmung nach Schlaganfall für die gelähmte, betroffene Körperpartie. Sie sieht den Einsatz von unterschiedlichen Lagerungskissen vor, die zur Stabilisierung der betroffenen Region hinzugezogen werden. Wichtig hierbei, die betroffene Schulterpartie wird immer frei positioniert, es soll kein Druck entstehen! Je nach Drucktoleranz Ihres Angehörigen verändern Sie die jeweilige Position alle 2 – 3 Stunden. Aufgrund der Sensibilitätsstörungen besteht eine erhöhte Gefahr für einen Dekubitus (Wund-Druckgeschwür, siehe Lexikon im Menü unserer Homepage), da der Patient auch diese Druckentstehung nicht wahrnimmt. Wir beraten Sie hierzu gerne ausführlicher.

Dies textlich zu beschreiben ist schwieriger als nachfolgende bildliche Darstellung für die Positionierung und deren Wechsel im Liegen:

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Ihre Deutsche Pflegeberatung Matheis

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