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Biographie-Arbeit & Demenz | Essentiell für die Versorgung

Biografiearbeit als A & O – die Basis des Verstehens bei Menschen mit Demenz


Gerade wenn Symptome der Demenz auftreten, die Diagnose gestellt wurde, der Verlauf noch unklar ist, stellt eine adäquate Biographie Arbeit die Basis, um die Wesensveränderungen & Reaktionen zu verstehen und in Form der Validation zu verarbeiten. Betroffene fordern uns mit ihren, oft unverständlichen, Antworten und Reaktion im Pflegealltag heraus. Wir fragen uns als Pflegende, weswegen eine ablehnende Reaktion, ein Nichtzustandekommen oder ein klares Nein auf ein Angebot von uns folgt. Einen Menschen mit Demenz zu verstehen, fordert von uns als erstes, ihn zu kennen. Seine Lebensumstände erfahren zu haben, seine Eigenheiten und Gewohnheiten zu kennen. Je besser wir über sein bisheriges Leben Bescheid wissen, desto leichter fällt es uns, Situationen einzuordnen, ihn zu verstehen und seine Entscheidungen zu respektieren.

Die biografische Arbeit mit einem Menschen mit Demenz, gibt auch ihm eine Hilfestellung zur Selbstidentifikation, sie unterstützt ihn und den Prozeß des Vergessens. Sie schafft Nähe, Vertrautheit und gibt Sicherheit, jemanden fragen zu können, wenn er es selbst vergessen hat, die Informationen nicht mehr abrufbar sind.

Gerade im Bereich der Biografie Arbeit ist es wichtig zu verstehen, daß wertschätzend und einfühlsam kommuniziert wird. Wir reagieren oft genervt, wenn die betroffene Person uns fortlaufend immer das Gleiche erzählt. Was ist die Ursache für die kontinuierlichen Wiederholungen? Die Antwort ist simpel, es handelt sich um etwas , daß die Person emotional bewegt, um das die Gedanken kreisen. Unsere Aufgabe ist es, ihn in dieser Situation abzuholen und zu unterstützen, ihm Hilfestellung zu geben. Dies erfordert Kenntnisse die Biografie betreffend und muss bei der Kommunikation & der Validation bei Menschen mit Demenz einfliessen.


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Wie komme ich an wesentliche Informationen die Biografie betreffend?


Als Angehöriger, der den Menschen mit Demenz bereits seit langem kennt, ist dies deutlich einfacher. Pflegekräfte sind auf Informationen für ihre Arbeit angewiesen. Viele Einrichtungen befragen die Angehörigen und erstellen gemeinsam eine Biografie, welche als Hilfestellung herangezogen werden kann. Fotoalben sind eine weitere Möglichkeit, Informationen über die verschiedenen Lebensabschnitte und Ereignisse in einem Leben rückblickend zu gewinnen. Im Anfangsstadium der Erkrankung kann der Betroffene selbst noch viele, kostbare Informationen preisgeben, unsere Aufgabe ist es uns Zeit zu nehmen, ihm Gehör und Aufmerksamkeit zu schenken. All diese gesammelten Informationen sind wertvoll für die spätere Arbeit mit dem Menschen mit Demenz. Sie können ihm helfen sich selbst noch zu erkennen, schaffen positive Erlebnisse im gemeinsamen Gespräch und geben uns die Grundlage des Verstehens der Person.

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Anwendung der Biographie Kenntnisse


Wenn wir von einer geistigen Rückentwicklung vom jetzt zurück in die Kindheit, aufgrund des Krankheitsverlaufs ausgehen, hilft uns Biografie Arbeit dabei zu verstehen, welche Geschichten aus welchem Bereich des bisherigen Lebens uns erzählt werden & wo sich der Mensch mit Demenz gerade geistig befindet. Es bringt uns nicht weiter, den Betroffenen zeitlich zu korrigieren, wenn er über ein längst vergangenes Thema spricht und dies in seiner Welt die aktuelle Realität darstellt. Begleiten und unterstützen Sie ihn, durch Ihre Biografie Kenntnisse, dort wo er sich gerade in seinem Lebensabschnitt befindet. Geben Sie ihm Sicherheit durch Ihr Wissen, greifen Sie ihn Bewegendes auf und ergänzen und bestätigen Sie das Gesagte. Ein verständnisvoller, wertschätzender Umgang und eine einfühlsame Kommunikation helfen Ihnen und dem Menschen mit Demenz in seiner Orientierungslosigkeit weiter.

 

„Die persönliche Biografie umfaßt alle Erlebnisse und Erfahrungen des Menschen. Auch wenn es sich wie ein Einschnitt in die Privatsphäre anhört, ist es für pflegende Angehörige wichtig, zu wissen, wer die Person ist & wo er sich gerade geistig befindet, um sich angemessen um ihn zu kümmern. Sie können dann seine Handlungen & Reaktionen leichter verstehen und entsprechend reagieren.“


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Ihre Deutsche Pflegeberatung Matheis

 

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Demenz | Verständnis durch Validation nach Naomi Feil

Verständnis für einen Menschen der Symptome der Demenz zeigt, fällt nicht immer leicht, Naomi Feil gibt uns ein wertvolles Instrument durch die Technik der Validation an die Hand. Bedingt durch die Wesensveränderung, die ein Mensch bei einer Demenz Erkrankung durchläuft, kommt es häufig zu Unverständnis aufgrund seiner Reaktionen, ablehnendem oder abwehrendem Verhalten. Die Gerontologin Naomi Feil hat sich mit dieser Thematik und Problematik beschäftigt. Sie hat das Konzept der Validation entwickelt. Dieses wird bei hochbetagten,  an Alzheimer Demenz erkrankten Menschen angewendet.

Pflegende Angehörige und Pflegepersonal bekommen eine empathische, urteilsfreie, verbale oder nonverbale Kommunikationstechnik & Grundeinstellung vermittelt. Die Technik der Validation nach Naomi Feil hilft den Menschen mit Demenz und seine Reaktionen besser zu verstehen. Es wird davon ausgegangen, daß aufgrund der geistigen Rückentwicklung bis ins Kindesalter, ein Prozeß des Aufarbeitens, von Ereignissen im Leben, im Unterbewusstsein stattfindet.

Wenn ein Mensch mit Demenz beispielsweise plötzlich eine bereits verstorbene Person zu sehen glaubt, kann dieses nicht nur mit der Erkrankung zusammen hängen. Oft ist dies der Fall wenn im bisherigen Leben eine Strategie fehlte, Situationen aufzuarbeiten und damit zu bewältigen. Die Situation wird neu durchlebt. Validation ist hierbei eine tolle, unterstützende Möglichkeit dieses gemeinsam zu bewältigen. Diese Technik schafft nicht nur Verständnis für Situationen, die im ersten Moment nicht begreifbar für uns sind, sondern sie erleichtert den Umgang mit dem Menschen mit Demenz. Sie unterstützt ihn in seinem Krankheitsverlauf, schafft und erhält Vertrauen und erleichtert den Umgang mit dem Krankheitsbild Demenz.


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Die 4 Phasen für angewendete Validation


Phase 1: Mangelhafte Orientierung – oft unglücklich

Der Mensch mit Demenz leugnet seine Gefühle vermehrt. Er projiziert Konflikte und nicht aufgearbeitete Probleme oft auf Personen aus der Gegenwart.

Techniken der Validation in der 1. Phase:

  • Offene Fragen stellen, beispielsweise „Wie fühlst du dich?“, „Wie geht es dir?“ oder „Hast du einen schönen Tag?“. Es geht darum die Gefühlsebene durch offene Fragen zu ermitteln.
  • Nach Extremen oder dem Gegenteil fragen. Beschuldigt eine mangelhaft orientierte Person jemanden böse zu ihr gewesen zu sein, hinterfragen Sie ob sie das immer tut oder antworten sie, das kommt aber nicht jeden Tag vor, oder?
  • Sich gemeinsam erinnern. Bieten Sie Fragen auf die Vergangenheit bezogen an und gehen Sie auf das Gesagte ein, ergänzen Sie wenn möglich, um eine gemeinsame Erinnerungssituation zu gestalten, die positive Erinnerungen hervorruft.
  • Umformulieren von Gesagtem, dieses führt zu verstanden werden und Akzeptanz.
  • Bewältigungsmechanismen erfahren dient dem Zweck herauszufinden, ob die Person diese Situation früher schon einmal erlebt hat und wie sie damit umgegangen ist. Als Beispiel, der Mensch mit Demenz beschwert sich darüber, daß eine andere Person immer so laut schreit.

 

Phase 2: Zeitverwirrtheit

Rückzug aus der Realität, Verluste sind willkürlich nicht mehr zu leugnen. Vertraute Gegenstände oder Menschen erinnern den Menschen mit Demenz an die Vergangenheit, in die er sich immer mehr zurück zieht. Die Gefühlsebene wird in den Vordergrund gestellt, Themen drehen sich um Liebe, Trennung, Hass und Trauer. Hierüber schafft sich der Betroffene seine Identität.

Techniken der Validation in der 2. Phase:

  • Offene Fragen, kommuniziert die Person noch verbal, versuchen Sie es mit dem Stellen von offenen Fragen.
  • Geschlossene Fragen, ist die verbale Kommunikation kaum noch möglich, stellt man geschlossene Fragen. Bieten Sie Fragen mit nur zwei Antwort Optionen, dieses fällt dem Betroffenen leichter.
  • Nonverbale Techniken können, beschrieben in Phase 3, eingesetzt werden.

 

Phase 3: Bewegungen werden wiederholt

Gefühle werden in dieser Phase durch sich kontinuierlich wiederholende Bewegungen ersetzt. Beispiele können Streichbewegungen über den Tisch, zupfen an einer Tischdecke oder Daumen drehen sein. Sprachliche Veränderungen, hin zu Lauten, wie Pa pa pa helfen Menschen mit Demenz, die unverständliche Gegenwart für eine kurze Zeit zu verlassen und in die Vergangenheit zu driften. Hier kommen ausschließlich nonverbale Techniken zum Einsatz:

  • Blickkontakt hilft zu suggerieren, ich spreche dich an, begeben Sie sich auf Augenhöhe, achten Sie auf Gesicht & Augen Ihres Gegenübers bei der Ansprache.
  • Spiegeln Sie durch Bewegungen, Körperhaltung und Gesichtsausdruck die Person und zeigen damit Bestätigung, dadurch zeigen Sie gezielt Mitgefühl und Empathie.
  • Berührung ist eine gute Möglichkeit in Kontakt zu treten. Legen Sie der Person behutsam die Hand auf die Schulter, nehmen Sie seine Hand bei der Ansprache. Diese Gesten erzeugen Vertrautheit und Geborgenheit.
  • Musik & Singen ist oft, auch nach dem Verlust der Sprache, noch eine Möglichkeit eine Emotionsebene aufzubauen. Musik ruft Erinnerungen aus der Vergangenheit des Menschen mit Demenz hervor, gelegentlich kommen sogar noch Worte oder Teilsätze aus dem Mund des Betroffenen.
Phase 4: Vegetieren

In dieser Phase nehmen die Personen die Außenwelt kaum und gar nicht mehr wahr, Vergangenes wird nicht mehr aufgegriffen und verarbeitet. In dieser Phase ist Berührung, Anerkennung und Fürsorge essentiell und wichtig. Ehrliche Worte spielen eine übergeordnete Rolle und werden durch einen positiven Unterton gespürt. Verwenden Sie Sätze wie, „Es ist schön, dich zu sehen“, „Ich freue mich immer wenn ich dich besuche“ oder beispielsweise „Du siehst heute sehr hübsch oder gut aus“. Erwarten Sie keine Gegenreaktion des Menschen mit Demenz, seien Sie einfach für ihn da.


Was lernen wir also wenn Symptome der Demenz auftreten durch die Technik der Validation nach Naomi Feil?

 

  • Nicht aufgearbeitetes im Leben positiv aufzuarbeiten
  • Eine bessere, gefühlvolle Kommunikation mit dem Betroffenen
  • Unverständliche Situationen besser zu begreifen
  • Einfühlungsvermögen für die betroffene Person
  • Die Aufmerksamkeit auf die noch vorhandenen Fähigkeiten des Menschen mit Demenz zu lenken

Validieren kann jeder lernen. die Grundvoraussetzung ist eine emphatische, gefühlvolle Ebene aufzubauen, eigene Gedanken und Vorurteile in den Hintergrund zu stellen. Vermeiden Sie Ausreden & Lügen dem Menschen mit Demenz gegenüber. Erzeugen Sie eine wertschätzende Atmosphäre. Die Emotionsebene bleibt bis zum Schluß erhalten. Ehrlichkeit ist spürbar, mag die betroffene Person auch noch so verwirrt wirken.

Fazit:

Was ist Validation

Durch Validation sind wir in der Lage die betroffene Person in dieser Aufarbeitung zu unterstützen, uns mit ihr auseinander zusetzen, um sie und ihre Reaktionen zu verstehen.


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Ihre Deutsche Pflegeberatung Matheis