Beiträge

Pflegeberatung München Pflegegrad Antrag & Widerspruch MDK

Pflegereform 2021 | Die Änderungen im Überblick

Es geht in der umfassenden Pflegereform 2021 um folgende Änderungen. Unser Pflegesystem ist in den letzten Jahren, nicht nur durch die laufende Corona Pandemie immer mehr unter Druck geraten. Eine umfassende Reform ist nötig. Gesundheitsminister Spahn hat weitere Entlastungsmöglichkeiten für pflegende Angehörige erarbeitet, die primär eine finanzielle Entlastung geben sollen. Ambulante Pflegeleistungen wurden nun angepasst & die Kosten des Eigenanteils für Pflegeheimkosten sind gedeckelt.

Details entnehmen Sie dem folgenden Beitrag.

Pflegereform 2021 Änderungen

Pflegeheim Eigenanteil Deckelung


Angehörige die in einem Pflegeheim versorgt werden, haben nun eine Deckelung des monatlichen Eigenanteils für die Pflegeheimkosten von 700,- Euro. Diese greift für einen maximalen Zeitraum von 3 Jahren. Begründet ist dieses, da der Eigenanteil seit 2017 kontinuierlich um durchschnittliche 238,- Euro gestiegen ist. Zusätzlich werden jedoch noch Kosten für die Verpflegung und die Nutzung der Unterbringung in Rechnung gestellt. Es sind nur die Kosten des Eigenanteils für die Pflege gedeckelt.

Bundesländer beteiligen sich an den Investitionskosten


In einer stationären Pflegeeinrichtung beteiligt sich nach SGB XI § 9 das Bundesland an den zu tätigenden Investitionen der Pflegeeinrichtung und fördert diese. Die Länder entlasten zukünftig Pflegebedürftige & Angehörige mit einem Pauschalbetrag von 100,- Euro, durch einen monatlichen Zuschuß. Durch eine neu geschaffene online Plattform sollen Angehörige & Pflegebedürftige in Zukunft auch bei der Suche nach einem freien Pflegeheimplatz Unterstützung bekommen. Einrichtung der Pflege melden in Zukunft verpflichtend freie Plätze, um die Suchmöglichkeit aktuell gestalten zu können.

Finanzielle Entlastung im Bereich teilstationäre – und häusliche Pflege


In den Änderungen der Pflegereform 2021 ist eine finanzielle Entlastung für Pflegebedürftige, welche zu Hause versorgt und betreut werden, verankert. Die bisherigen Pflegegeldleistungen werden ab 01.01.2022 zusätzlich erhöht. Diese Änderungen beziehen sich sowohl auf das Pflegegeld und auch die Pflegesachleistungen.

Die Erhöhungen im Überblick:

  • Bei Pflegegrad 2 findet eine Erhöhung von 316,- Euro Pflegegeld auf 332,- Euro im Monat statt. Die Pflegesachleistungen werden von 689,- Euro auf 723,- Euro angehoben.
  • Die Bezüge bei Pflegegrad 3 sind angepasst von 545,- Euro auf 572,- Euro monatlich. Pflegesachleistungen erhöhen sich von 1298,- Euro auf monatliche 1363,- Euro.
  • Versicherte mit Pflegegrad 4 erhalten dann statt bisher 728,- Euro Pflegegeld in Höhe von 764,- Euro monatlich. Die Pflegesachleistungen werden von 1612,- Euro auf monatliche 1693,- Euro angepasst.
  • Das Pflegegeld bei Pflegegrad 5 wird von 901,- Euro auf 946,- Euro angehoben. Die Pflegesachleistungen betragen dann nicht mehr 1995,- Euro sondern 2095,- Euro im Monat.
Änderungen der Pflegereform 2021 bezogen auf Pflegehilfsmittel & Verhinderungspflege

Die Pauschale für sogenannte zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel wird von 40,- Euro auf 60,- Euro monatlich angepasst.

Im Bereich der Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege ist durch die Pflegereform 2021 eine flexiblere Änderung erarbeitet worden. Diese beiden Budgets werden ab 2022 als Entlastungsbetrag zusammen gefaßt. Diese sind zu einem Gesamtbetrag von 3300,- Euro jährlich zusammengefaßt. Die bisherige Vorpflegezeit für pflegende Angehörige entfällt komplett, dies bedeutet, daß der Anspruch in Zukunft nicht mehr erst nach einer Pflegezeit von 6 Monaten genutzt werden kann sondern ab sofort. Der Vorteil ist eine flexiblere, individuellere Nutzung des Entlastungsbudgets.


Ein wesentlicher Punkt, der von vielen bisher kritisiert wird, daß dieses Budget ab 01.07.2022 nur noch zu 40% individuell für die Ersatzpflege genutzt werden kann, es schränkt die Flexibilität wieder erneut ein. Dies ergibt keinen Sinn und ist für viele pflegende Angehörige ein enormer Einschnitt in ihre bisherige Versorgung!


Bedarfsorientierte Versorgung im eigenen zu Hause

Es geht um die bedarfsgerechte Versorgung durch ambulante Pflegedienste, die durch die Pflegerefrom 2021 eine Änderung erfährt. Sie haben ab 01.07.2021 die Möglichkeit Ihre Pflegeleistungen nicht nur nach einzelnen Leistungspunkten zu erhalten, sondern auch nach Zeitkomplexen bei ambulanten Pflegediensten zu bekommen. Der Vorteil ist, daß Sie individuell nach Ihren Bedürfnissen die Pflege Ihres Angehörigen gestalten können.

24-Stunden-Betreuungskräfte

Über Agenturen vermittelte 24-Stunden-Betreuungskräfte können unter bestimmten Voraussetzungen über 40% des Pflegesachleistungsbetrags verrechnet werden. Dies ergibt die Möglichkeit diesen Betrag nicht nur für den ambulanten Pflegedienst zu nutzen sondern auch für die zusätzlich notwendige Betreuungskraft.

Vermeidung von Pflegebedürftigkeit

Die Pflegereform 2021 sieht eine weitere Änderung im Bereich der Rehabilitation des Patienten / Versicherten vor. Die Kosten für alle Versicherten ab dem 70. Lebensjahr werden zu 50% von der sozialen Pflegeversicherung übernommen. Eine geriatrische Rehabilitation ist die Basis für eine weitere Teilnahme am gesellschaftlichen Leben, zur Vermeidung bzw. Reduktion einer Pflegebedürftigkeit.

Die Kurzzeitpflege wird aus dem selben Grund gestärkt. Pflegebedürftige haben Anspruch nach einer Krisensituation, nach Krankenhausaufenthalt oder um einen pflegenden Angehörigen zu entlasten die Möglichkeit der Kurzzeitpflege zu nutzen.

Anpassung des Pflege Bahr

In der Pflegereform 2021 wird auch an die Zukunft des Einzelnen gedacht, nicht nur an bereits pflegebedürftige Menschen. Detailliert geht es um die Vorsorge der Pflegeversicherung und die damit verbundene Anhebung des sogenannten Pflege Bahr. Der Einzelne wird motiviert, an das eigene Altern zu denken und zusätzlich für die eigene Pflegesituation vorzusorgen. Durch eine staatliche Förderung wird eine privat abgeschlossene Pflegeversicherung subventioniert, in Höhe von 15,- Euro monatlich, bisher  5,- Euro.

Fazit

Aktuell wird noch an einigen Eckpunkten, in einem koalitionsinternen Arbeitsentwurf, gearbeitet, da Punkte unschlüssig sind und zu Kritik Anlaß geben. Das grösste Problem ist nach wie vor die Finanzierung der Pflegereform 2021. Geplant sind Ausgaben in Milliardenhöhe, finanziert durch Bund, Länder, die Pflegeversicherung und realistisch Steuererhöhungen, die zu erwarten sind. Der Bundeshaushalt bezuschusst diese Vorhaben allein mit 5 Milliarden Euro jährlich. Die Pflegeversicherung beteiligt sich offenbar mit weiteren 6,3 Milliarden Euro.

Obwohl die Finanzierungsfrage noch ungeklärt ist, soll sie noch in dieser Legislaturperiode umgesetzt werden.

 

 

Pflegeberatung Pflegegrad Widerspruch MDK-Bescheid

Weitere interessante Beiträge zu pflegerelevanten Themen finden sie im Blog-Bereich in Kategorien für Sie geordnet.

Zusätzlich veröffentlichen wir wöchentlich im Podcast „Tipps für pflegende Angehörige“ auf unserer Startseite der Homepage sowie allen gängigen online Podcast Plattformen interessante Beiträge und Interviews, um Ihnen die nötige transparenz im Bereich Pflege aufzuzeigen.

Reinhören lohnt sich!

 

Ihre Deutsche Pflegeberatung Matheis

Pflegeberatung München Pflegegrad Antrag & Widerspruch MDK

Eckdatenpapier zur erweiterten Pflegereform 2021 das Entlastungsbudget betreffend

Die Ideen, von Gesundheitsminister Spahn, im Eckdatenpapier zur Pflegereform 2021, für die neue Pflegereform Erweiterung bezogen auf das Entlastungsbudget für pflegende Angehörige wurden vor kurzem über die BILD-Zeitung veröffentlicht. Wir fragen uns zurecht ob dies nicht primär eine Verschlechterung der bisherigen Regelungen des Pflegeversicherungsgesetzes darstellt, was uns hier als positive Neuerung verkauft wird.

Wenn dies ernsthaft das Ergebnis der GROKO darstellt, mit welchen ab 2021 das Entlastungsbudget geregelt ist, sollte sich aus allen Bereichen an der Pflege beteiligter, vor allem von den Leistungsbeziehern, den pflegenden Angehörigen, Widerstand zeigen!

Eine Übersicht der angedachten Reformpunkte:

  1. Pflegesachleistungen, Pflegegeld und das Budget für die Tagespflege sollen ab 07/2021 um 5 % angehoben werden. Ab 2023 zusätzlich jährlich um die Höhe der Inflationsrate.
  2. Die Pauschale für zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel wird von 40,- Euro monatlich auf 60,- Euro erhöht.
  3. Die Verhinderungspflege kann auch ohne Vorpflegezeit von 6 Monaten, was bisher die Voraussetzung war, genutzt werden.
  4. Den Versicherten wird bei der Versorgung durch ambulante Pflegedienste zugestanden, die Kostenvoranschläge nach Leistungskomplexen oder Zeitkontingenten auswählen zu können.
  5. Wird eine 24h-Betreuungskraft im eigenen Haushalt für die Pflege genutzt, kann unter gewissen Voraussetzungen der Pflegesachleistungsbetrag zu 40% für die Finanzierung der Betreuungskraft umgewandelt werden.
  6. Leistungen aus dem Topf der Kurzzeit- und Verhinderungspflege sollen flexibler genutzt werden können, hierfür ist ein Jahresbudget von 3300,- Euro vorgesehen.

Eckdatenpapier Pflegereform 2021

Was sich auf den ersten Blick als bereichernde Neuerung in diesem Eckdatenpapier liest, wirft bei genauerer Betrachtung Fragen und berechtigte Kritik auf.

Punkt 1 stellt keinen Reformpunkt dar, sondern eine Überprüfung der Pflegeversicherungsleistungen durch die Bundesregierung, welche im Gesetz alle 5 Jahre verpflichtend verankert ist, eine Erhöhung der angegebenen 5 % deckt gerade die inflationäre Entwicklung ab.

Punkt 2 ist die logische Konsequenz aufgrund der hohen, auch coronabedingten, Nachfrage und dem damit verbundenen Preisanstieg für Verbrauchsprodukte für die Pflege wie Handschuhe, Schutzkleidung und Desinfektionsmittel. Die Pauschale wurde bereits vergangenen Sommer 2020 angehoben und wird nun nur dauerhaft bei 60,- Euro pro Monat bleiben, was abzusehen war.

Punkt 3 Die Vorpflegezeit von 6 Monaten die bisher für die Verhinderungspflege Bewilligung bindend war, wurde seit langen als nicht realitätsnah kritisiert und eine Abschaffung gefordert. Dieser Forderung wird nun endlich entsprochen.

Punkt 4 wurde bereits in einigen Bundesländern, wie beispielsweise in Bayern, seit Jahren angeboten und umgesetzt, es handelt sich nun nur um eine für alle Bundesländer verbindliche Regelung, welche sinnvoll ist.

Punkt 5 könnte hoffentlich eine Diskussion und einen gesellschaftlichen Denkanstoß, bezogen auf den rechtlich fragwürdig geregelten Bereich der 24h-Betreuungskraftpflege, anregen.

Punkt 6 Die Neuerung der hundertprozentigen Kombination aus beiden Budgets, die Kurzzeitpflege und die Verhinderungspflege betreffend, welche bisher mit 50% kombinierbar waren, ist angemessen und wird seit langem gefordert. Seit dem Pflegestärkungsgesetz 2 profitierten beispielsweise Patienten mit kognitiven Einschränkungen nicht von dieser Möglichkeit, da diese nicht in der Lage waren diese Leistung der Kurzzeitpflege in Anspruch nehmen zu können.


Resultierend aus den bisherigen Punkten kann man diese gesetzlich verankerten Neuerungen des Eckdatenpapiers als gute und sinnvolle Erweiterung des Entlastungsbudgets für pflegende Angehörige ansehen. Die zwei folgenden Punkte sind jedoch eine massive Einschränkung und sollten mit breitem Widerstand kritisiert werden.


Ab 07/2022 sollen für die stundenweise Verhinderungspflege durch eine Ersatzpflegeperson nur noch maximal 40% des Budgets eingesetzt werden können, die restlichen 60% sollen der Ersatzpflege der für einen längeren Zeitraum verhinderten, privaten Pflegeperson vorbehalten bleiben. Sind zukünftig nur noch 40% des Verhinderungspflege Budgets flexibel nutzbar, stellt sich die Frage, was die Verbesserung der GROKO, bezogen auf die flexiblere Nutzung des neuen, grossen Entlastungsbudgets ist, wenn Familien nicht mehr frei entscheiden können, wie und in welchem Umfang sie den Verhinderungspflegebetrag einsetzen können. Möchte oder kann ein Angehöriger nicht auf eine urlaubs- oder krankheitsbedingte Vertretung zurückgreifen, bedeutet dies für ihn eine finanzielle Benachteiligung von ca. 45%, denn bisher wurden 2418,- Euro jährlich übernommen, die Neuregelung sieht nur noch 1320,- Euro vor.

Ein weiterer grosser Kritikpunkt ist die Kürzung des Budgets für die Tagespflege um 50%. Dieses soll ab 07/2022 bei Inanspruchnahme von ambulanten Pflegesachleistungen oder Geldleistungen entsprechend gekürzt werden. Hintergrund ist, daß viele Pflegeanbieter vermehrt kombinierte Angebote aus Betreutem Wohnen und Tagespflege anbieten und damit die falschen Anreize setzen. Ältere und / oder pflegebedürftige Menschen sehen in diesen Angeboten einen Nutzen durch mehr individuelle Freiheit und finanzielle Ersparnisse, ohne Abstriche in der Sicherheit der pflegerischen Versorgung zu haben.

Eine vorgesehene Reduktion des Budgets für Tagespflege um 50% bedeutet für einen Versicherten mit beispielsweise Pflegegrad 4 eine Mehrbelastung von jährlich 9672,- Euro!

Eine absolute Zumutung, wie wir finden.


Die Einsparung durch die Budgetreduzierung von 50% für die Tagespflegenutzung von noch im eigenen Haushalt gepflegten Menschen, stellt für die Pflegeversicherung eine jährliche Ersparnis von 500.000.000 Euro dar – eine Unverschämtheit dies als positive Neuerung und Reform, die von Nutzen für Versicherte und pflegenden Angehörige sei, darzustellen!


Stellt dies die Neuerung des Entlastungsbudgets für pflegende Angehörige dar, mit denen uns eine Verbesserung in Aussicht gestellt werden soll?

Wir werden, aus unserer Sicht, für dumm verkauft und uns werden minimale, längst nötige, kleine Veränderungen in den ersten Punkten als Verbesserung verkauft, jedoch findet alles in allem eine massive Verschlechterung in wesentlichen Punkten zu Gunsten der Pflegeversicherung, bezogen auf deren Einsparprogramm statt. 

Gegen diese Maßnahmen muss sich Widerstand aus allen Interessensgruppen, Verbänden & Vereinen sowie von Betroffenen zeigen, dies kann so nicht ernst gemeint sein und hingenommen werden!


Pflegeberatung Pflegegrad Widerspruch MDK-Bescheid

Interessante Beiträge zu pflegerelevanten Themen, nicht nur zum Eckdatenpapier der erweiterten Pflegereform 2021 finden Sie im Blog-Bereich in Kategorien geordnet, zum Nachlesen.


Wir veröffentlichen in unserem Podcast „Tipps für pflegende Angehörige“ wöchentliche neue Interviews & Beiträge.

Zu hören auf der Startseite unserer Homepage und auf allen gängigen online Podcast-Portalen!

 

Ihre Deutsche Pflegeberatung Matheis