Wie bringt uns die neue Pflegeoffensive weiter?

Es ist kurz vor Zwölf Uhr, was die Politik offenbar nicht wahr nimmt und das Problem vertagt und weiter aufschiebt. es besteht dringender Handlungsbedarf liebe Regierung!

Immerhin wird sich weiter mit diesem Thema beschäftigt, was politisch gesehen längst überfällig ist und ermüdent aufgeschoben wird. Bisherige Pflegereformen versprachen Änderungen und Verbesserungen, die leider nur teilweise etwas bewegten oder der Erfolg ausblieb und aus pflegerisch-praktischer Sicht, das einzigst merkbare, ein riesiger zusätzlicher bürokratischer Aufwand für die Pflege entstanden ist.

Artikel im Spiegel online vom 04.06.2019:

https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/jens-spahn-franziska-giffey-hubertus-heil-so-wollen-sie-den-pflegenotstand-bezwingen-a-1270712.html

Fehlt es an der Wertschätzung für Senioren und führt dieses Fehlen zu bekanntem Pflegenotstand?

Solange die Akzeptanz in der Gesellschaft für diese stetig wachsende Personengruppe nicht im Ansatz gegeben ist, diese an den Rand der Gesellschaft gedrängt bzw. abgeschoben wird, ändert sich wohl kaum etwas. Die Wertschätzung des alten, weisen und erfahrenen Menschen, ist heutzutage kaum noch gegeben.

In unserer schnelllebigen Zeit sind diese oft nur im Weg, nicht wie früher als wir noch zusammen in Großfamilien lebten und ältere Menschen ein aktiver Teil dieser Gesellschaft waren. Junge Menschen erlebten früher ein funktionierendes Miteinander, dies ist heute selten gegeben. Sie werden als zu langsam, eigen, alt und störend wahrgenommen.

Ein junger Mensch kann sich kaum noch vorstellen, wie Wertvoll und bereichernd die Arbeit in der Pflege mit älteren Menschen sein kann. Dieser Beruf hat kein cooles Image, im Vergleich zu Tätigkeiten im Multimediabereich etc., dies erscheint sinnvoll, zeitgemäß und erstrebenswert.

Zudem hört man zur Genüge in den Medien von den schlechten Arbeitsbedingungen, Zeitdruck, Stress und schlechter Bezahlung, letzteres ist nach meiner Meinung sekundär. Natürlich muss ich in der Lage sein mein Leben finanziell bestreiten zu können, jedoch muss mir meine Arbeit an erster Stelle Spass machen und Freude bereiten, dies sollten Argumente sein einen Beruf zu wählen. Wenn kontinuierlich vermittelt wird, das diese Tätigkeit doch nur mit Ausscheidungen, schlechten Gerüchen, sich anders verhaltenden Menschen und Tod zu tun hat, nie das Interessante, verantwortungsvolle, spannende oder medizinsche in den Vordergrund gehoben wird, nützt keinerlei politisch ins Leben gerufene Pflegeoffensive etwas.

Wir sind nicht mehr nah genug dran, an älteren Menschen. Zu sehr sind wir mit unseren eigenen Problemen, Lifestyle und Image beschäftigt. Belastendes wird verdrängt, sich mit Krankheit und Sterben zu beschäftigen, will freiwillig keiner.

Dabei können genau diese älteren Personen uns helfen, Fehler die sie bereits begangen haben und erlebt haben, nicht erneut zu begehen, wir könnten uns Rat und Unterstützung für unser Leben holen, jedoch ist die Hürde offenbar zu hoch, man recherchiert lieber online oder fragt gleichaltrige um Rat.

Früher war dies einmal anders, ältere Menschen wurden aufgrund ihrer immensen Erfahrung zu Hilfe gezogen. Heute führen sie oft ein vergessenes, trauriges Leben am Rand und ausser Sichtweite vom Rest der Gesellschaft…

Ein Link zum Artikel in der süddeutschen Zeitung vom 04.06.2019 zum Thema Wertschätzung der Senioren & die daraus resultierende Personalproblematik im Pflegeberuf.

https://www.sueddeutsche.de/politik/alter-pflege-notstand-1.4474253

Welche Problematiken entstehen durch Personal aus dem Ausland?

Problematisch an diesem Beispiel ist, das es zu erkennen gibt in welchem Zwiespalt unser Gesundheitssystem steckt.

Wir sind auf der einen Seite jetzt schon nicht mehr in der Lage uns um die bestehende Patientenzahl zu kümmern, benötigen auf der anderen Seite dringend Unterstützung durch ausländische Fach- und Hilfskräfte, jedoch fehlt es an einem angemessenen Konzept zur Zusammenarbeit in einem interkulturellen Team.

Die neueingestellten Mitarbeiter werden schnellstmöglich oberflächlich eingearbeitet um unsere personellen Lücken zu kompensieren, sind aber oft unsicher und auf sich allein gestellt, überfordert mit unseren Gegebenheiten.

Sie sind andere Strukturen aus ihren Ländern gewohnt, andere Standards und andere Hyrachien. Sie werden zum sofortigen Einsatz als Lückenfüller unseres Personalsystems eingesetzt.

Dies führt, fern von der eigenen Familie und von Freunden, fremd in einem neuen Land und Kulturkreis oft zu Frustration & Desillusion der neuangeworbenen Pflegekraft. Zusätzlich haben sie es oft durch fehlende Dankbarkeit und Anerkennung durch Angehörige und Patienten zusätzlich schwer bei uns anzukommen.

Die Patienten sind oft sehr anspruchsvoll, möchten nicht von ausländischem Personal versorgt werden, dies ist bereits bei der Versorgung durch hiesige Pflegekräfte ein Problem, da Männer und Frauen eine gleichgeschlechtliche Versorgung bevorzugen und dies oft am Personalschlüssel der jeweiligen Schicht scheitert.

Aus eigener Erfahrung sind ältere Patienten aufgrund ihrer Kriegs- & Lebenserfahrung nicht bereit sich von Pflegefach- oder Hilfskräften aus anderen Ländern, Kulturen oder auch anderen Religionszugehörigkeitäen versorgen zu lassen. Sie streiken schlicht und äußern den Wunsch einer personellen Änderung.

Die Idee mit Pflegeräften aus anderen Ländern zusammen zu arbeiten ist grundsätzlich gut, stösst jedoch oft auf Problematiken.

Es Bedarf intensiver Schulungen und transparenter Aufklärung aller Beteiligten, auch der Patienten, um auf diese Notwendigkeit aufmerksam zu machen, sonst werden wir diese Möglichkeit der Personalakquise aus dem Ausland nicht lange aufrecht erhalten können und die neuangeworbenen Kräfte gehen zurück in ihre Länder zu ihren Familien und Freunden, frustriert, unverstanden und enttäuscht von uns.

Nachfolgend der Link zum Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom 01.03.2019

https://sz.de/1.4349314